Freitag, 11. Dezember 2015
20:15 - 22:15

keine Angabe
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Beschreibung

Die Isländersagas sind in der europäischen Literaturgeschichte einzigartig. Sie entstanden in der Zeit nach der Besiedlung der Atlantikinsel und wurden zunächst mündlich überliefert, bevor sie von Mönchen im Mittelalter in eine schriftliche Form gebracht wurden. Die Sagas schildern detailversessen das Leben der ersten Siedler und ihrer Nachfahren. Sie sind literarische Zeugnisse wie etwa das „Nibelungenlied“ oder die „Edda“. Zugleich aber repräsentieren sie bis heute die offizielle Geschichte der isländischen Nation.

Die Kunst des Geschichten-Erzählens zelebrieren die fünf Darsteller der Theaterkollektive vorschlag:hammer und yuri500, die sich für ihre Inszenierung „Isländersagas“ zusammen getan haben. In einem fantastischen Bühnenbild (Thomas Giger) lassen sie die isländischen Mythenerzählungen lebendig werden und erforschen dabei, mit welchen Theatermitteln die Sagas 1000 Jahre nach ihrer Entstehung auf die Bühne gebracht werden können.

Auf einem dicken, flauschigen Schafwollteppich stehend, der auch Projektionsfläche für die wabernden Videoinstallationen (Nathalie Wallrapp) ist, erzählen die vier Schauspieler und die Schauspielerin von Islands Besiedlung, von dem tyrannischen norwegischen König Harald Schönhaar, von Raubzügen und dem Bösewicht Grettir, von der Christianisierung, von Bauernschlauheit und Dummheit, von Helden und Geistern. Sie spinnen die alten Mythen weiter in das moderne, durch die Finanzkrise gebeutelte Island und übertragen sie in die eigene Familienbiografie. Mal als nüchterner Bericht, dann wieder voller Expressivität, mal als nachgespielte Märchenerzählung mit musikalischer Untermalung, dann wieder wild gestikulierend vergegenwärtigen die Spieler die Geschichten und machen sie zu unseren. In dem spektakulären Bühnensetting jagen sich stets changierende Erzählperspektiven. Jahreszeiten werden zu Momenten gerafft, Augenblicke dehnen sich zu monumentalen Ereignissen und tragen die Zuschauer hinaus aus Raum und Zeit.