Kunst, von Blumen gezeichnet

Kunst, von Blumen gezeichnet

von Nuria Langenkamp

29.03.2023

«Blumen für die Kunst» und die Kunst der Blumen

Es ist erstaunlich, was die Natur zu bieten hat. Formen, Farben, Figuren. Sie lässt uns Glück und Freude verspüren und beeinflusst unsere Sinne anhand unserer Wahrnehmung. Sie kann Krankheiten heilen und Hunger stillen. Legt man den Fokus auf bunte Blumen jeglicher Herkunft und verbindet diese mit dem malerischen Wirken einer Künstlerin oder eines Künstlers, entsteht ein Zusammenspiel. Gemälde anhand von Blumen zu interpretieren, bildet folglich den Treffpunkt von künstlichem und natürlichem Einfluss. 

Die Ausstellung «Blumen für die Kunst» hat in Aarau den Frühling eingeleitet. Floristinnen und Floristen suchten sich unter drei Werken der Sammlung des Aargauer Kunsthauses ein Werk aus, das sie floral interpretieren möchten. Schon zum neunten Jahr in Folge veranstaltet das Aargauer Kunsthaus 2023, zusammen mit FLOWERS TO ARTS, das Projekt zur floral-floristischen Interpretation von Kunst. Blumengestaltende setzen sich dabei intensiv mit einem ausgewählten Gemälde der Aargauer Kunstsammlung auseinander. Einzigartig dabei ist nicht nur die farbliche Harmonie zwischen Kunst und Natur, sondern ebenso die gedankliche, metaphysische Ebene, die das Gemälde auf die Kunstschaffenden überträgt. Die Gedanken, die Louise Catherine Breslau in ihrem Werk «L’étude de la géographie» von 1900 durch das rothaarige Mädchen verkörpert, spiegeln sich in der genauen Betrachtung der Blumen und ihren exakt angeordneten Farben und Formen wider. Geografie verbindet unsere Welten, so tun dies auch die Pflanzen aus unterschiedlichen Kontinenten nach Marco Weisskopf. Die Blumen in der Deutung des Werkes von Rolf Winnewisser, 2020, gaben dem Bild eine Lebende, sowie eine vergängliche Variante. Dies indem Ondrej Vystrcil frische Schnittblumen mit Trockenblumen kombinierte. Die spannende Interpretation anhand floraler Komponenten und bunten Klarsichtmäppchen, die wohl jeder von uns auch zu Hause hat, lassen uns die Überlappung von Zeit und Raum verstehen. Durch die Transparenz und die sich überlagernden Farben ist es schwierig, eine zeitliche Konstante wahrzunehmen. Ein weiteres, eindrückliches Schauspiel ist jenes von Lisa Pellanda, die sich mit dem Werk von Daniela Keiser, Mézilhac von 2021, auseinandersetzte. Die Meisterfloristin Pellanda geht bei ihrer Interpretation auf die Bruchstückhaftigkeit des «Steinbruchs» ein, indem sie menschliche Kulturen durch tropische und nicht-tropische Blumen darstellt. Diese pendeln in Vasen von der Decke hinunter und befinden sich zwischen schwebenden, unterschiedlich angeordneten Acrylscheiben, die das bunte Licht widerspiegeln. Durch die Anordnung in verschiedenen Lagen wird auf das Leben hingewiesen, das Höhen und Tiefen durchmacht. 

Auch wenn die Ausstellung «Blumen für die Kunst» nun schon neun Jahre das Aargauer Kunsthaus schmückt, ist es jedes Jahr wieder ein Spektakel, wofür sich die Besuchenden schon im Voraus Eintrittskarten besorgen. Die nächste Ausgabe «Blumen für die Kunst» findet übrigens vom 5. bis 10. März 2024 im Aargauer Kunsthaus statt.

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