Götterspiele - Opéra cirque

Götterspiele - Opéra cirque

03.03.2024 17:00 - 18:30 Uhr | Alte Reithalle

Das zeitgenössische Musiktheater von Thomas Fortmann und Christian Haller.

Was ist real, was fake? Eine junge Frau gerät in die Fänge zweier gelangweilter Götter, die ein perfides Spiel mit ihr treiben, in dem nichts ist, wie es zu sein scheint. Das zeitgenössische Musiktheater von Thomas Fortmann und Christian Haller ist eine Parabel über die Macht und ihren Missbrauch.

Sie sitzen überall, wo Macht ausgeübt wird. Sie benutzen Menschen und glauben Schicksal spielen zu können. Das Ziel: der Erhalt Ihrer Macht. Sie fühlen sich als Götter.
In der Opéra cirque «Götterspiele» sind es zwei korrupte und verkommene «Götter», an die niemand mehr glaubt. Sie wollen sich der Macht versichern, die sie einst hatten. Die beiden «Götter» Loh und Lee verwandeln sich in Avatare gegenüber einer zufälligen Passantin. Diese Scheinfiguren, von einem Akrobaten gespielt, stellen vor, was sie real nicht sind. Sie nehmen die Identitäten ihres Liebhabers, ihrer Eltern und anderen Menschen an, um die Frau durch abenteuerliche Lügengeschichten mehr und mehr in Schuld zu verstricken und in die Verzweiflung zu treiben. Am tiefsten Punkt ihrer Zerrüttung jedoch durchschaut sie das Spiel. Sie sieht in einem lichten Moment die «Götter», beginnt sich zu wehren, zu kämpfen.

Thomas Fortmann hat den Stoff des Theaterstücks von Christian Haller als Ausgangslage einer Oper gewählt. In einem gemeinsamen Prozess haben sie das Libretto entwickelt. Bei der musikalischen Umsetzung fügt Thomas Fortmann eine Vielfalt von Stilmitteln zu einer Einheit zusammen. Seine Erfahrung mit der Rock- und heute mit der zeitgenössisch-klassischen Musik charakterisiert seinen sehr persönlichen Kompositionsstil. Das äussert sich auch in der ungewöhnlichen Orchestrierung, die sowohl Geige wie elektrischen Bass, Flöte und Akkordeon, Schlagzeug und Harfe umfasst. Fortmanns Ästhetik der stilistischen Vielfalt hat nichts mit Crossover zu tun, sondern ist stets ein originaler Ausdruck heutigen Musikschaffens.
Clemens Lüthard fügt in seiner Inszenierung der Text- und musikalischen Ebene ein zirzensisches Element hinzu. Mit Akrobatik, Luftartistik, Jonglage und Elementen des Bewegungstheaters übernimmt ein Artist und Mime die Handlung der vorgeschobenen Scheinfiguren. Der Part der jungen Frau wird mit einer Sängerin besetzt, die sowohl gesanglich als auch akrobatisch agieren kann: sie ist die Einzige, die über beide Fähigkeiten verfügt, während die «Götter» unbeweglich und die Artisten/Mimen stumm bleiben. Das Geschehen ist in das Bühnenbild einer Abfalldeponie gesetzt, das die Verkommenheit der «Götter» akzentuiert: eigentlich gehören sie auf den Abfallhaufen der Geschichte, auch wenn sie sich immer wieder erneuern und durch ihr destruktives Handeln die Welt vermüllen.

Der Komponist Thomas Fortmann wandte sich nach einer erfolgreichen Rock-Karriere schon früh der zeitgenössischen Moderne zu. Seine Musik schöpft aus einer eigenen Auffassung, Musik mit 12 Tönen zu schaffen. Sie ist geprägt von einer Vielfalt an Stilmitteln, bei denen sich Konstruktion und sinnliche Wirkung keineswegs ausschliessen. Der Aargauer Schriftsteller Christian Haller, der dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, erhielt unter anderem den Aargauer Kunstpreis. Seine zuletzt erschienene Novelle «Sich lichtende Nebel» wurde mit dem Schweizer Buchpreis 2023 ausgezeichnet.

Die Bar im Stall öffnet an Vorstellungstagen eine Stunde vor Beginn der Aufführung.

MIT: Joseph Gremaud (Akrobatik), Wolf Latzel (Bariton), Marylaure Pugin (Akrobatik & Gesang) & Raimund Wiederkehr (Tenor).
ORCHESTER: Inès Morin (Violine), Hannes Bärtschi (Viola), Diane Lambert (Cello), Rätus Flisch (Kontrabass/E-Bass), Barbara-Gabriella Bossert (Flöte/Piccolo), Dimitri Ashkenazy (Klarinette/Bassklarinette), Kathrin Bertschi (Harfe), Rahel Sohn (Klavier) & Luca Borioli (Perkussion & Schlagzeug).
CHOR: Coro Sonoro (Leitung: Margret Sohn).
LIBRETTO: Christian Haller.
KOMPOSITION: Thomas Fortmann.
INSZENIERUNG: Clemens Lüthard.
BÜHNENBILD: Daniel Waldner.
LICHT & TECHNIK: Daniel Tschanz.
PRODUKTIONSLEITUNG: Fee Peper.
MIT UNTERSTÜTZUNG VON: Aargauer Kuratorium, Hans und Lina Blattner-Stiftung, Fondation Suisa, Lebensraum Aargau, Pro Argovia Kaktus, Schweizerische Interpretenstiftung, Müller & Schade Verlag.

ab 16
bei schlechtwetter
konzert
kunst-kultur
theater